Bergwetterguide

Wer im Gebirge unterwegs ist, sollte sich mit extremen Witterungsphänomenen auseinandersetzen. Gemeinsam mit dem Meteorologen, Bergführer und Extremkletterer Albert Leichtfried wurde ein Ratgeber entwickelt, der outdoorliebenden Bergsportlern ausgewählte Kapitel der Wetterkunde verständlich erklärt.

Gebirgswinde:
Unterwegs auf einer Hochtour trifft man nicht nur auf begeisterte Bergsteiger – durch die Höhe und Ausgesetztheit der Gipfel im Hochgebirge ist auch der Wind ein ständiger Begleiter. Zusätzlich zu den großräumigen Strömungen wirken im Gebirge auch unterschiedliche lokale Windsysteme. Anhand dieser Windsysteme können Experten verschiedene Aussagen über das lokale Wettergeschehen treffen. Wichtig dabei ist das Vorhandensein eines stabilen Hochs, in dessen Einflussbereich es meist keine oder nur sehr schwache Winde aus der Höhenströmung gibt. Das heißt, es sind keine weiteren, stärkeren Strömungen eines Tiefs oder eines Frontensystems vorhanden.

Die Abbildung 1 zeigt zum einen die Situation bei Tag. Durch die größeren Oberflächen der Gebirgslandschaft gegenüber einer ebenen Landschaft heizen sich tagsüber die Gebirgsflächen stärker auf als in der Ebene. Der Grund dafür ist die durch die größeren Flächen im Gebirge deutlich höhere Aufnahme an Sonnenstrahlung. Diese geben somit Energie in die Luft ab. Warme Luft ist leichter als kalte und steigt daher nach oben auf – Hangaufwinde entstehen im Laufe des Tages (rote Pfeile). Aufgrund der Aufwärtsbewegung der Luft an den Hängen bildet sich im Tal Unterdruck aus. Dieser Unterdruck wird durch den Taleinwind ausgeglichen. Etwas großräumiger als beim Hangwind strömt bei Tag Luft ins Tal einwärts (grüne Pfeile). Umgekehrt ist die Situation bei Nacht (Abbildung 2). Die größeren Gebirgsflächen kühlen sich stärker ab als die ebenen Flächen. Kalte Luftmassen fließen nun die Hänge hinunter und werden als Hangabwind (rote Pfeile) bezeichnet. Durch die abfließende Luft bildet sich im Tal Überdruck aus, dieser wird durch einen talauswärts gerichteten Talauswind (grüne Pfeile) ausgeglichen. Sind Tal- und Hangwind bei einer Bergtour in ausgeprägter Form spürbar, so ist dies ein Zeichen für gute Stabilität des Hochdruckgebietes.

Wusstest du, dass … ein vernünftiger Hochtourengeher stets den Wind im Gesicht spüren sollte? Am frühen Morgen beim Aufstieg spürt er den Hangwind, ab Mittag im Abstieg spürt er den Hangaufwind.

Nebel:
Nebel ist eigentlich nichts anderes als eine Wolke mit Bodenkontakt. Das heißt also, dass Wassertröpfchen durch Kondensation von Wasser in der Luft entstanden sind. Kühlt die Luft aufgrund nächtlicher Abstrahlung so weit aus, dass sich Bodennebel bilden kann, dann spricht man vom Strahlungsnebel. Für den Alpinisten führt Nebel vor allem zu Herausforderungen bei der Orientierung. Dichter Nebel kann die Sichtweite auf unter 20 Meter sinken lassen und somit ein Vorankommen im Gelände äußerst schwierig gestalten.


Was tun, wenn Nebel deine Orientierung auf null setzt?

  • Ruhe bewahren: Wer panisch herumirrt, läuft Gefahr, eine Felsspalte oder einen -Abhang zu übersehen oder sich hoffnungslos zu verlaufen.
  • Warte an Ort und Stelle, falls du den Weg nicht mehr erkennst oder es zu gefährlich wird. Auch bieten Biwaksäcke Schutz.
  • Trenne dich nicht von deiner Gruppe.
  • Falls du den Weg kennst, kannst du dich Schritt für Schritt (mithilfe eines Kompasses) vorantasten, bis du auf eine Schutzhütte triffst.
  • Nutze technische Geräte nur in Kombination mit einer Wanderkarte, um eine optimale Orientierung zu erhalten.


Das richtige Equipment bei Nebel

  • starke Taschenlampen oder andere Lichtquellen
  • Kälteschutz
  • GPS-Geräte, Höhenmesser und Kompass
  • Wanderkarte

 

Kleine Wolkenkunde:

Cumulus, „Schäfchenwolke“

  • Schäfchenwolken entstehen durch Kondensation von ansteigender, am Boden erwärmter Luft (Konvektion) und meistens bei stabilem Hochdruckwetter.
  • Sie sind ein Zeichen für einen sonnigen Tag ohne Wetterumschwung, sofern die Wolken nicht rasch nach oben wachsen.

Altocumulus lenticularis, „Föhnwolke“

  • Föhnwolken bilden sich UFO-ähnlich aus.
  • Sie sind ein Zeichen von starkem Wind an den Bergkämmen, Niederschlägen in den Staulagen und recht warmem, sonnigem Wetter an der Leeseite (die dem Wind abgewandte Seite) des Gebirges.

Altostratus, „mittelhohe Schichtwolken“

  • Schichtwolken bilden sich häufig mit einem Halo um die Sonne durch herankommende Feuchtigkeit (Advektion) aus.
  • Es ist zu beobachten, wie sich der Himmel langsam, aber stetig eintrübt.
  • Die Sichtverhältnisse werden zunehmend schlechter.
  • Schichtwolken sind ein Zeichen für einen bevorstehenden Wetterumschwung.

Cumulonimbus, „Gewitterwolke“

  • Wachsen Cumuluswolken rasch in die Höhe, können daraus Gewitterwolken entstehen.
  • An der Obergrenze der Atmosphäre bildet sich der sogenannte Ambos (Bezeichnung für Cumulonimbuswolke) aus.
  • Ein Ambos am Himmel ist ein Zeichen für Blitz und Donnerschlag in nächster Zeit.

 

Weitere Infos

Mit wertvollen Sicherheitshinweisen und einer Einführung in die Wetterkunde gibt das aktuelle E-Book jedem Outdoorfan hilfreiche Tipps für die nächste Bergtour. Einfach downloaden unter
www.aboutyou.de/bergwetter-guide-ebook.

TEXT: Ina Krug, Albert Leichtfried